VEREIN

Damit’s wirklich jeder versteht – sogar die Schwobe: hie die hochdeitsche Version:
1. Berichte des Vorstands
2. Haushaltsabrechnung 2024/2025
3. Bericht der Kassenprüfer 2024/2025
4. Entlastung des Vorstands 2024/2025
5. Neuwahlen des Vorstands und der Kassenprüfer
6. Änderung/Überprüfung der Mitgliedsbeiträge
7. Aufnahme weitere Position im Vorstand – "PPP-Wart"
und damit verbundene Satzungsänderung
8. Anträge und Sonstiges
oder
Psychologischer und philosophischer Effekt einer (Wasser-) Uhr
Gerade zum Jahreswechsel wird uns beim Blick auf das Datum die Bewegung der Zeit besonders bewusst.
Plötzlich meldet sich unser subjektives Zeitgefühl zu Wort und kommentiert das Geschehen mit einem staunenden „Oohaa – wie schnell doch die Zeit vergeht“. Und je älter man wird, desto größer scheint dieses Oohaa zu werden.
In diesem Jahr wird nicht mehr viel Wasser durch die Wasseruhr laufen, denn es neigt sich seinem Ende zu. Doch die Zeit kümmert das nicht; sie fließt unaufhaltsam weiter – auch im kommenden Jahr.
Bei der Betrachtung der einzelnen Rädchen wirst du dich, je nach Gefühlslage, wohl oder unwohl fühlen oder gar Freude oder Frust verspüren. Es ist ein wenig wie ein Blick in den Spiegel der eigenen Seele.
Je nach aktueller Situation empfindet jeder den Fluss der Zeit anders.
Welches Rädchen entspricht wohl deinem momentanen Gefühlszustand?
Es gibt herausfordernde Situationen im Leben,
die man besser nicht analog,
sondern digital angehen sollte.
Warum?
Digital betrachtet existieren lediglich zwei Zustände:
1 = positiv
0 = nicht positiv
Ein „negativ“ im klassischen Sinn kennt dieses System nicht.
Menschliches Leben ist stets ein Balanceakt zwischen objektiver und subjektiver Zeitwahrnehmung.
In jener Zeit, als Menschen begannen, Zeit messbar zu machen, nutzten sie ihr Wissen über die regelmäßigen Bewegungen der Himmelskörper. So entstanden Abgrenzungen zwischen Zeiteinheiten und Verfahren der Zeitmessung.
Nach Platon ist die Zeit ein „bewegliches Abbild der Ewigkeit“ (Timaios).
Die Zeit an sich hat Generationen von Menschen bewegt, beschäftigt, angetrieben, eingeschränkt und wieder losgelassen. Ihre Bedeutung und ihre Präzision nehmen stetig zu. Man denke nur an die Wirtschaft („Zeit ist Geld“) oder an den Sport, wo etwa in der Leichtathletik auf Hundertstel- und im Skeleton auf Tausendstelsekunden genau gemessen wird.
Mit heutiger Technik lassen sich nicht nur Hundertstel- oder Tausendstelsekunden erfassen; atomzeit-synchronisierte Systeme ermöglichen Messungen im Millionstelbereich. Moderne Quantum-Timer weisen Abweichungen von lediglich rund 23 Nanosekunden innerhalb von 24 Stunden auf.
Bisher lehnen Sportverbände Zeitmessungen in Zehntausendstelsekunden offiziell ab – doch wie lange noch? In Zielbild- und Analysesystemen (Photo Finish) finden sie bereits Anwendung.
Üblicherweise besitzt eine Wasseruhr vier kleine Messrädchen. Das kleinste versorgt die nachfolgenden Rädchen mit Bewegung, erfüllt selbst jedoch keinen Messauftrag – es ist gewissermaßen der „Wasserträger“.
An diesen vier Messrädchen habe ich bei der Entwicklung meiner Wasseruhr lange festgehalten. Doch einen so langen Zeitraum fühlbar und sichtbar darzustellen, wollte mir auf diese Weise nicht gelingen.
Nach langem Ringen und unzähligen Fehlversuchen entschloss ich mich, mit der standardisierten Technik zu brechen – nichtsahnend, damit einen Schritt aus der einengenden, starren Welt der Technik hinaus in die Welt der Philosophie und der Künste zu vollziehen.
So erschien es schließlich: das berühmte fünfte Rad am Wagen. Überflüssig, unerwünscht – und doch plötzlich notwendig.
Letztlich konnte ich mich damit arrangieren. Denn es geht mir nicht darum, eine rein technische Wasseruhr abzubilden, sondern darum, tieferliegende Gedanken in sie zu projizieren. Die „abnorme“ Erscheinung soll Fragen provozieren und die Fantasie der Betrachtenden anregen. Die Einbindung eines fünften Rades vermag genau das zu leisten.
Da ich davon ausgehe, dass nicht jeder mit dieser Art von Wasseruhren vertraut ist – zumal moderne Ausführungen oft nur noch ein einziges Rädchen besitzen –, habe ich dieses fünfte Rad bewusst anders gestaltet als die übrigen vier.
Für mich ist es kein fünftes Rad am Wagen, sondern ein zentrales Rädchen im Getriebe meines Projekts: nicht mehr unerwünscht, sondern ausdrücklich willkommen.
In meiner Wasseruhr verschmelzen Analoges und Digitales miteinander – beides mit dem Ziel, den Blick auf die Zeit und unseren Umgang mit ihr zu lenken.
Sie verdeutlicht zugleich die Unvereinbarkeit des gegenwärtigen Zeitsystems mit dem wissenschaftlichen Zahlensystem.
Eine Anpassung beider Systeme zugunsten des wissenschaftlichen Systems würde ich sofort befürworten. Damit stehe ich nicht allein.
Tatsächlich gab es bereits ernsthafte Versuche, die Zeit zu „dezimalisieren“. Im Zuge der Französischen Revolution (ab 1792) wurden nahezu alle Maßeinheiten rationalisiert und vereinheitlicht (Meter, Kilogramm, Liter). Auch die Zeit war Teil dieses Reformprojekts.
Das dezimale Zeitsystem sah vor:
• 1 Tag = 10 Stunden
• 1 Stunde = 100 Minuten
• 1 Minute = 100 Sekunden
--> 1 Tag = 100.000 Dezimalsekunden
Zum Vergleich:
Der heutige Tag umfasst 86.400 Sekunden.
Die Einführung erfolgte per Gesetz im Jahr 1793. Aufgrund der geringen Akzeptanz in der Bevölkerung – unter anderem wegen kultureller Trägheit – wurde das System bereits 1795 offiziell abgeschafft. In wissenschaftlichen Kreisen fand es vereinzelt noch bis etwa 1805 Verwendung.
Bemerkung:
Bei der Diskussion um ein dezimales Zeitsystem sehe ich parallelen zur Bürokratie-Debatte.
Meine Prognose:
Bevor die Entbürokratisierung in größerem Umfang gelingt, wird eher die Zeit auf ein Zehnersystem umgestellt sein.
Im 19. Jahrhundert griffen Astronomen und Physiker die Idee der Dezimalzeit erneut auf, insbesondere zur Vereinfachung von Berechnungen.
Ein Vorschlag lautete:
Beibehaltung von 24 Stunden
• 1 Stunde = 100 Minuten
• 1 Minute = 100 Sekunden
Diese Modelle wurden jedoch nie offiziell eingeführt und blieben theoretischer Natur.
Gänzlich folgenlos blieb dies dennoch nicht. In der modernen Zeitmessung hat sich eine teilweise „versteckte“ Dezimalisierung etabliert – insbesondere in Wissenschaft, Technik (SI-System) und Sport.
Sportzeiten werden als Dezimalzahlen dargestellt:
• 9,58 s (100-Meter-Lauf)
• 1:43,21 min → rechnerisch 103,21 s
Intern arbeiten Zeitmesssysteme vollständig dezimal.
Heute existiert somit ein Hybridmodell:
Im Alltag dominiert das 60er-System, während Wissenschaft, Technik und Sport dezimal feingliedrig operieren.
Diese beiden Welten versuche ich in meiner Uhr zu vereinen – auch als Denkanstoß. Vor allem soll sie auf die derzeitige Unvereinbarkeit beider Systeme aufmerksam machen, die vielen Menschen das Leben nicht zwingend schwer, aber zumindest unnötig kompliziert machen kann.
Am Ende bleibt der Blick auf das Wasser.
Tropfen für Tropfen bewegt es die Rädchen, gleichgültig gegenüber Datum, Messsystem und menschlicher Ungeduld. Die Wasseruhr urteilt nicht, sie eilt nicht, sie verlangsamt sich nicht – sie fließt.
In diesem gleichmäßigen Fließen wird sichtbar, was auch für die Zeit gilt: So sehr wir uns bemühen, sie zu erfassen, zu ordnen oder zu kontrollieren – beherrschbar wird sie nicht.
Und während wir sie messen, normieren und optimieren, erinnert uns die Wasseruhr daran, dass Zeit letztlich nicht gezählt, sondern gelebt wird.
Ein Rauch verweht, ein Wasser verrinnt,
eine Zeit vergeht, eine neue beginnt.
Joachim Ringelnatz
Wünsche allen einen guten Start in die
Rückrunde der Saison 2025 / 2026.

